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Aktiv in der Corona-Krise - FB03 Bayern Broschüre

Broschüre

Aktiv in der Corona-Krise - FB03 Bayern Broschüre

Die Corona-Pandemie prägt seit über einem Jahr alle Bereiche des sozialen, wirtschaftlichen und politischen Lebens. Sie bedeutet eine extreme Herausforderung, auch für die Arbeit von Gewerkschaften und betrieblichen Interessenvertretungen. Wir sind mit vielen neuen Fragen und Schwierigkeiten konfrontiert. Wie können Beschäftigte unter Pandemiebedingungen informiert und über ihre Rechte und Möglichkeiten aufgeklärt werden? Wie können betriebliche Interessenvertretungen ihre Mitbestimmungsrechte wahren und ihre Arbeit trotz Pandemie effektiv fortsetzen? Was können Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte sowie Mitarbeitervertretungen tun, um die Gesundheit der Kolleginnen und Kollegen zu schützen? Wie können wir unsere Kolleg*innen in Tarifverhandlungen einbeziehen und für ihre Belange mobilisieren? Wie gehen wir mit notwendigen Umstrukturierungen, mit Kurzarbeit und anderen Krisenfolgen um? Wie agieren wir in Tarifkonflikten und im politischen Raum?

Die vorliegende Broschüre unternimmt nicht den Versuch, auf all diese Fragen adäquate Antworten zu geben. Mit ihr ziehen wir eine erste Bilanz über unsere gewerkschaftliche Arbeit in der Corona-Krise. Im Zuge der angestrebten Zusammenführung des Fachbereichs Bildung, Wissenschaft und Forschung sowie des Fachbereiches Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen verstärken wir unsere Zusammenarbeit kontinuierlich, weshalb wir in unsere Broschüre einen Gastbeitrag aufgenommen haben: Ein Kapitel widmet sich den Erfahrungen im Bereich Bildung, Wissenschaft und Forschung. Dies verstehen wir auch als einen weiteren Schritt zum wechselseitigen Kennenlernen.

Es werden einige der zentralen Aktivitäten und Konflikte dargestellt, in die unsere ehren- und hauptamtlichen Kolleg*innen involviert waren und teilweise noch sind. Was hat sich bewährt, wo müssen wir dazulernen, um eine effektive Interessenvertretung auch in solchen außergewöhnlichen Situationen zu gewährleisten? Hinweise darauf tragen wir in unserem Text zusammen. Hierdurch wollen wir keine fertigen Antworten vermitteln, aber zu weiteren Reflexionen anregen. Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei und es sind weitere und neue Herausforderungen zu erwarten.

Die Corona-Krise hat gezeigt, was für die Gesellschaft wirklich wichtig ist. Galten in der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/2009 noch große Banken als »systemrelevant«, sind es jetzt die Beschäftigten in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen, im Einzelhandel, der Logistik und im Nahverkehr. Jüngst erinnert man sich auch wieder der Bedeutung von Kultureinrichtungen. Besonders markant wurde die Relevanz eines funktionierenden Gesundheits- und Sozialwesen der Gesellschaft vor Augen geführt. Frustrierend mag hierbei sein, dass wir seit Jahren für bessere Arbeitsbedingungen, eine bedarfsgerechte Finanzierung sowie Personalausstattung streiten, mit vielen Erfolgen – ohne bislang aber eine grundlegende Kurskorrektur erzielt zu haben. Die Grenzen einer Verbetriebswirtschaftlichung der Daseinsfürsorge wurden nunmehr überdeutlich. Der Streit um die richtigen Lehren aus der Krise wird nicht lange auf sich warten lassen. Eine echte Chance, unsere Forderungen nach einer bedarfsgerechten, partizipativen und sozialen Neugestaltung des Gesundheits-, Bildungs- und Sozialwesens wirksam einzubringen.

Wir fordern die politisch Verantwortlichen auf, die nötigen Schlussfolgerungen aus den Erfahrungen mit der Pandemie zu ziehen und für gute Rahmenbedingungen, bedarfsgerechte Personalvorgaben und eine solidarische Finanzierung zu sorgen. Wir fühlen uns darin bestärkt, uns mit aller Kraft für bessere Arbeits- und Einkommensbedingungen einzusetzen. Hierbei gilt es, unsere betriebliche, tarifliche und politische Arbeit gut zu verknüpfen. Unsere Broschüre belegt: Betriebliche Gewerkschaftsarbeit ist auch unter Corona-Bedingungen möglich – und vor allem auch notwendig!

Die Corona-Pandemie ist eine Zäsur. Vieles wird nicht mehr so sein, wie vor der Pandemie. Deshalb halten wir es für wichtig, innezuhalten und die gemachten Erfahrungen zu reflektieren. Um auf dieser Grundlage nach vorne zu schauen und die künftigen Aufgaben in Angriff zu nehmen. Unser Ziel ist es dabei stets, ver.di als Organisation der abhängig Beschäftigen weiter zu stärken, um konsequent und erfolgreich für gute Arbeits- und Lebensbedingungen, eine angemessene Bezahlung per Tarifvertrag, Demokratie im Betrieb und eine solidarische Gesellschaft einzutreten. Die Grundlage dafür haben
wir trotz widriger Bedingungen auch in den vergangenen Monaten weiterentwickelt. Dass das möglich war, verdankt sich dem hohen Engagement der in unseren Fachbereichen aktiven, sowohl ehren- als auch hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen.

Mit solidarischen Grüßen, bleibt gesund und kämpferisch,

Volker Schmidt & Robert Hinke

26. März 2021