Rettungsdienst

Arbeits- und Gesundheitsschutz im Rettungsdienst

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Arbeits- und Gesundheitsschutz im Rettungsdienst

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Das DGB Bildungswerk Bayern hat in Kooperation mit dem Landesfachbereich Gesundheit, Soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, ver.di Bayern, am 7. Mai 2019 zu einer Fachtagung für betriebliche Interessensvertretungen im bayerischen Rettungsdienst eingeladen. Das Thema der Fachtagung war der Arbeits- und Gesundheitsschutz im Rettungsdienst.

Wie wichtig der Arbeits- und Gesundheitsschutz und wie notwendig Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen sowie bei der Arbeitszeit sind, haben die Erfahrungsberichte der Teilnehmenden gezeigt.

Die Arbeitswissenschaftlerin Tatjana Fuchs stellte durch Studienergebnisse und über Berichte des öffentlichen Arbeitsschutzes (wie die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit Berufsgenossenschaften) die krankmachenden Arbeitsbedingungen, also wissenschaftlich belegt, dar.

Hier einige Beispiele:

Mit zunehmender Länge der Arbeitszeit und zunehmender Anzahl von Überstunden steigt der Anteil der Beschäftigten, die gesundheitliche Beschwerden berichten und ihren allgemeinen Gesundheitszustand schlecht einschätzen.
Bereits ab 2 Überstunden werden deutlich häufiger gesundheitliche Beschwerden genannt, und mit steigender Überstundenzahl nehmen insbesondere körperliche Erschöpfung und Schlafstörungen zu.
Mit zunehmender Länge der Arbeitszeit verschlechtert sich die Work-Life-Balance der Beschäftigten.
Rund 60% der Befragten gaben an, unter Rückenschmerzen zu leiden
Muskel-Skelett-Erkrankungen sind die häufigste Erkrankungsart mit einem Anteil von 30 % im Rettungsdienst
Auf Grund der schwierigen körperlichen psychischen Arbeitsbedingungen erreichen viele Beschäftigte nicht mehr gesund das Rentenalter. Laut dem Statistischen Bundesamt beträgt der Anteil der über Sechzigjährigen im Rettungsdienst ca. 6% (Stat. Bundesamt 2016).

Robert Hinke, Landesfachbereichsleiter, referierte über tarifliche Trends auf dem Feld der Entlastung und der Arbeitszeitpolitik. Hier sei nicht zuletzt auch durch die Arbeit des Fachbereichs eine Renaissance eines Handlungsfeldes eingetreten, welches seit der Niederlage der IG Metall zur Arbeitszeitverkürzung im Jahr 2004 in den Hintergrund getreten sei. Allerdings seien Fragen des Arbeits(zeit)politik und des Gesundheitsschutzes stets konfliktträchtig, da es hier um die Frage der Einschränkung des Direktionsrechtes und der Verfügbarkeit von Arbeitskraft gehe.

Mit Blick auf den Rettungsdienst wurden nachstehende Regelungsfelder behandelt: Arbeitszeitgestaltung, betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM), Demografie-Management, Arbeits(lang)zeitkonten/Altersteilzeit, Unterstützung durch Arbeitsmittel, Verhaltensprävention.

Als Grundsatz für tarifliche und betriebliche Regelung zum Arbeits- und Gesundheitsschutz gilt, dass sowohl die Verhaltens- als auch Verhältnisprävention einbezogen werden sollen, aber das Handlungsfeld Verhältnisprävention hat hierbei Vorrang, ohne Optionen der Verhaltensprävention zu vernachlässigen.

Die Fachtagung wurde mit einem Beitrag von Marion Leonhardt, Bundesfachbereich 3, abgeschlossen. Sie zeigten aktuelle bundes- und europaweite Entwicklungen im Rettungsdienst auf. ver.di fordert, dass der Rettungsdienst nicht dem kommerziellen Wettbewerb überlassen werden darf. Der Europäische Gerichtshof hat dies in seinem aktuellen Urteil bestätigt.  Bei der Betreuung und Versorgung von Notfallpatient*innen im Rettungswagen handele es sich um Gefahrenabwehr, was nach hiesiger Definition auch den qualifizierten Krankentransport umfasst. Die Auftragsvergabe an anerkannte und gemeinnützige Hilfsorganisationen sei vor diesem Hintergrund unbedenklich.

Nach der Fachtagung haben Personalräte und aktive Rettungsdienstler einen Appell für tarifliche und betriebliche Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz im bayerischen Rettungsdienst auf den Weg gebracht.