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Bayerisches Krankenhauspersonal setzt zum 1. mal Grenzen

Bewegung Entlastung / Krankenhäuser

Bayerisches Krankenhauspersonal setzt zum 1. mal Grenzen

25.10.2017

Bundesweite Protestaktion für mehr Personal und Entlastung

Die Gewerkschaft ver.di hat das Krankenhauspersonal für Dienstag und Mittwoch, den 10./11. Oktober, zu Protestaktionen aufgerufen. „Wir begleiten die Koalitionsverhandlungen, damit niemand die Personalnot in den Krankenhäusern vergisst und Union und Grüne an ihre Wahlkampfversprechen erinnert werden“, so Robert Hinke, Landesfachbereichsleiter für Gesundheit und Soziales bei ver.di-Bayern. „Von der FDP erwarten wir, über den eigenen ideologischen Schatten zu springen: Krankenhäuser sind keine Fabriken, Gesundheit keine Ware, Beschäftigte keine Zahnräder“, so Hinke. Weitergehende Aktionen sind für den 23./24. Oktober angekündigt.

Überstundenberge, das Ignorieren von Pausen und fortwährendes Einspringen aus der Freizeit sind längst nichts Außergewöhnliches, sondern vielmehr die Regel. Die Personaldecke ist auch in den bayerischen Krankenhäusern extrem dünn. Nach Erhebungen von ver.di fehlen in Bayern etwa 21.000 Stellen, allein 10.000 in der Pflege. „Vor diesem Hintergrund führt das krankheitsbedingte Ausfallen einzelner Kollegen bereits zu Chaos, vielfach reicht das Personal auf den einzelnen Stationen selbst rechnerisch nicht aus, um die Jahresdienstpläne korrekt abzubilden“, wie Hans-Joachim Bonatz, Vorsitzender des Fachbereiches und Betriebsrat, aus eigener Erfahrung weiß.

„Überstundenberge und das fortlaufende Einspringen aus der Freizeit ist folglich arbeitgeberseitig bereits eingeplant“, erklärte Hinke. „Arbeitgeber nutzen das Verantwortungsgefühl und die Kollegialität systematisch aus – um Personal und Geld zu sparen“, kritisierte Hinke. Der reibungslose Betrieb der Krankenhäuser funktioniere nicht mehr dank der Rahmenbedingungen, sondern nur noch gegen diese. „Raubbau an der eigenen Gesundheit ist die Folge“, so Hinke. Die Statistiken sprächen für sich: Mehr als Dreiviertel der Pflegekräfte kann sich nicht vorstellen, gesund in die Rente zu gehen. Viele brechen ihren Beruf ab oder flüchten in die Teilzeit. Die Krankenstände sind deutlich überdurchschnittlich, ebenso das Risiko der vorzeitigen Berufsunfähigkeit und der Frühverrentung. „Unter diesen Bedingungen macht Arbeit im Krankenhaus krank, und eine gute Patientenversorgung ist nicht mehr zu gewährleisten“, konstatierte Hinke.

ver.di erwartet, dass die Personalausstattung der Kliniken auch zu einem der zentralen Eckpunkte der Koalitionsverhandlungen in Berlin gemacht wird. „Wir werden die Koalitionsverhandlungen über mehrere Aktionstage ebenso kritisch wie aktiv begleiten, damit unsere Forderung nach einer gesetzlichen Personalbemessung zur Chefsache in der neuen Regierung wird“, kündigte Hinke an. In verschiedenen Krankenhäuser wollen die Beschäftigten auf die Politik nicht mehr warten: Die Helios Amper Kliniken, das Klinikum Augsburg, die Kreiskliniken Günzburg-Krumbach und die Sozialstiftung Bamberg wurden zu Tarifverhandlungen aufgefordert.