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Betriebsräte Preis 2017 in Gold

Betriebsräte Preis 2017 in Gold

Gold für Arbeitnehmervertretung in Bayern

Engagement gegen Arbeitnehmerrecht zweiter Klasse gewürdigt

Nach dem Deutschen Personalträte-Preis in Gold geht nunmehr auch der Deutsche Betriebsräte-Preis in Gold nach Bayern. Ersteren durften die Personalräte des Klinikums Augsburg für ihren Kampf gegen Outsourcing entgegennehmen. Nunmehr erhielt der Betriebsrat der Klinik Coburg GmbH den begehrten Preis für sein Engagement zur Gleichberechtigung der betrieblich eingegliederten Rot-Kreuz-Schwestern. Damit würdigte die Jury den Einsatz der Interessenvertretung für die Beteiligung von Rot-Kreuz-Schwestern an der Betriebsratswahl. Überreicht wurde der Preis im Rahmen des Deutschen Betriebsräte-Tages Mitte Dezember 2017 in Bonn von der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden Elke Hannack.

„Er hat es geschafft, eine über Jahrzehnte bestehende arbeitnehmerfeindliche Rechtsprechung zu beseitigen und so einen Leuchtturm für andere Betriebsräte errichtet, in dessen Licht eine effektive Wahrnehmung der Interessen aller Beschäftigten in den Betrieben, unabhängig von rechtlichen Winkelzügen der Arbeitgeber, möglich ist.“

Elke Hannack

Hannack würdigte in ihrer Laudation die Vorreiterrolle, die der Betriebsrat im Kampf für die Rechte der Mitglieder der Schwesternschaft eingenommen hat. „Er hat es geschafft, eine über Jahrzehnte bestehende arbeitnehmerfeindliche Rechtsprechung zu beseitigen und so einen Leuchtturm für andere Betriebsräte errichtet, in dessen Licht eine effektive Wahrnehmung der Interessen aller Beschäftigten in den Betrieben, unabhängig von rechtlichen Winkelzügen der Arbeitgeber, möglich ist“, sagte sie bei der Preisverleihung. Hauptgeschäftsfeld der Schwesternschaften ist die Gestellung von Pflegekräften an Krankenhäuser und Altenpflegeeinrichtungen. Als Vereinsmitglieder wurde ihnen weder der Status von Arbeitnehmerinnen noch von Leiharbeitskräften zuerkannt.

 Die Rot-Kreuz-Schwestern am Klinikum Coburg erhielten teilweise nur 85 Prozent des damals geltenden Tarifvertrags und durften sich an der Wahl des Betriebsrates nicht beteiligen. „Hier bildete sich noch die Gründung der DRK-Schwesternschaft im Kaiserreich ab: Vordemokratische Arbeitnehmerrechte und die Verweigerung von Tarifverträgen“, pointierte Robert Hinke, Leiter des Fachbereichs Gesundheit und Soziales in ver.di Bayern: „Vorbildlich entschloss sich der Betriebsrat dagegen vorzugehen. Ein jahrelanger Kampf.“ Mit dem Abschluss eines Vergleichs vor dem Bundesarbeitsgericht hat der Betriebsrat bereits 2012 ein aktives und passives Wahlrecht der Rotkreuzschwestern bei der Betriebsratswahl durchgesetzt. Mittlerweile sind alle Rotkreuzschwestern, nach der Insolvenzanmeldung der Schwesternschaft Coburg e.V., direkt beim Klinikum angestellt und werden nach dem Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) bezahlt.

 „Das Ende eines falsch verstandenen Ordensprivilegs führte bei uns in Coburg bereits im Jahr 2012 zu echter Mitbestimmung und 2017 dann   in die Tarifbindung für unsere Kolleginnen“, sagte der Betriebsratsvorsitzende Martin Lücke: „15 Jahre Einsatz und Kampf haben sich gelohnt“. Lücke freute sich, dass es am Klinikum Augsburg gelang Outsourcing zu verhindern und in Coburg ein Insourcing herbeizuführen: „Als nächstes steht eine echte Tarifbindung für unseren gesamten Krankenhauskonzern REGIOMED als Forderung im Raum. Der Weg ist noch nicht zu Ende“, so Lücke weiter. Ver.di Bayern freute sich mit dem Betriebsrat über die Preisverleihung, mit der außerordentliches Engagement für gleiche Rechte öffentlich gewürdigt wird.